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Geschichte

Märkisch Buchholz-Köthen im Wandel der Geschichte

 

Schon in prähistorischer Zeit bot unsere Landschaft den Menschen Lebensraum und Nahrung. Verschiedene Siedlungs- und Fundplätze am Dahmetal, bei Köthen und im Umfeld sind durch Funde der Steinzeit belegt. Zeugnisse der Bronzezeit traten mit Urnen-, Äxten und Frauenschmuck aus dem Dunkel der Vergangenheit in unserer Zeit ans Tageslicht. Aus der Völkerwanderungszeit erregt vor allem eine kürzlich ergrabene germanische Siedlung bei Klein Köris viel Aufsehen und Interesse. Spätere slawische Siedler hinterließen Reste ihrer Siedlungen am alten Dorfplatz in Köthen und im Unterspreewald. Die Dörfer Schlepzig, Gröditsch, Pretschen und Krausnick blickten im Jahre 2004 auf ihre tausendjährige Geschichte mit ursprünglich wendischer Bevölkerung zurück.

 

Die deutsche Besiedlung unserer Stadt dürfte hauptsächlich ab 12./ 13. JH. vollzogen worden sein. Die Markgrafen von Meißen versuchten in unserem Raum und im Teltow den Markgrafen aus askanischem Hause Besitz abzutrotzen. In Märkisch Buchholz dürfte eine Burg und eine deutsche Siedlung angelegt worden sein, die in der ältesten Urkunde unseren Ort am 3. August 1301 als Castrum et oppidum Bucholt benennt. Der Landgraf von Thüringen verkaufte die Niederlausitz mit Burg und Stadt Buchholz an die Markgrafen von Brandenburg. Die Urkunde belegt die vorübergehende Trennung des Hauses Wettin, Begründer des späteren Kurfürstentums Sachsen, von der Niederlausitz.

 

Beweise des damaligen Lebens in unserer Stadt lieferten uns vielfach geborgene Scherben von Haushaltsgeschirr aus der frühdeutschen Zeit, des 13./ 14. JH. Reste eines Wehrgrabens sind ein weiteres Bodendenkmal aus der Epoche des Entstehens der Stadt. Ruhe und Frieden fanden unsere Vorfahren dennoch nicht. Als die Askaner 1319 ausstarben, zog Kaiser Ludwig der Bayer das Reichslehen Brandenburg ein und schenkte es seinen Söhnen. Der Gegenkaiser, Karl IV und König von Böhmen, betrieb eine sehr diplomatische Politik. Er verdrängte die Bayern aus Brandenburg und verleibte das Land der böhmischen Krone ein. 1364 belehnte Karl die Herren von Torgau und von Strehla, als dem hiesigen Territorialadel mit den Städten Beeskow, Storkow und Buchholz. Wirre unruhige und kriegerische Zeiten folgten bis sich die neuen Herren des Kreises Beeskow - Storkow 1443 unter den Schutz des Kurfürsten von Brandenburg stellten. Den Raum Märkisch Buchholz - Krausnick - Münchehofe und damit die Bauern, nannte das Geschlecht derer von Langen ihr Eigentum. Als ein Charakteristikum dieser Zeit lebte der Adel über seine Verhältnisse und beraubte das aufstrebende Bürgertum, die Kaufleute. Hier ansässige Herren machten dabei keine Ausnahme. Erst unter den Hohenzöllern trat allmählich Ruhe im Lande ein. Ab 1618 durchzogen die verfeindeten Heere des Kaisers, Schwedens und Brandenburgs im 30-jährigen Krieg auf der Heer- und Handelsstraße über den Hungrigen Wolf unser Gebiet. Der Krieg vernichtete nicht nur den bescheidenen Besitz der Leute, sondern sie selbst durch Pest, Mord und Brand. Nur 35% der Bürger unserer Stadt überlebten die vielfältigen Tortouren. Krausnick wurde eingeäschert und in Köthen verblieben nur wenige Leute in dürftigen Hütten.

 

Doch die Brandenburger gaben nicht auf. Trotz erheblicher Einschränkungen durch Frondienste und Bevormundungen von den ab 1539 hier ansässigen Schenken von Landsberg begannen sich Anfänge eines sehr bescheidenen Bürgertums zu entfalten. Das Urbarium des Schenken O. Wilhelm von Landsberg des Jahres 1700 führte alle Hofdienste, Dienstleistungen und Abgaben von Naturalien und Bargeld für die Herrschaft nochmals ausdrücklich auf. Dennoch fanden sich die Handwerker zu Innungen zusammen. Als erste und älteste Innung unserer Stadt ist 1642 die der Schneider urkundlich belegt. Es folgte 1715 das „Gewerk der Weiß - Kuch - Bäcker im Hochfreyherrlichen Städtlein". Als 1717 König Friedrich Wilhelm die im Aussterben begriffenen Herrschaften Buchholz und Teupitz erwarb, verbanden sich damit sicherlich Hoffnungen der Bürger auf Besserung ihrer Lebensverhältnisse. Doch die Abhängigkeiten und Fronleistungen der Bürger und Bauern wurde noch lange nicht wesentlich verändert. Immerhin lag es im Interesse des Landesherrn, die Stabilität der bürgerlichen und bäuerlichen Existenz zu fördern. Der König erließ 1734 exakte Statuten für Handwerkerinnungen, deren sich im gleichen Jahr die Tischler, Böttcher, Fleischer und das Bauhandwerk bedienten und Innungen gründeten. Von seiner Profession konnte kein Handwerker leben. Hier, wie andernorts, musste noch nebenbei kräftig Landwirtschaft betrieben werden. Erst als sich nach langem Kampf der Bürger und nach vielen Verzögerungen die Preußischen Reformen von 1808 - 11 durchsetzen, die Erbuntertänigkeit abgeschafft war und bürgerliche Freiheiten Einzug hielten, brach eine bessere Zeit an. Nach Auflösung des Königlichen Gutes 1864 konnten die Bürger auch die besseren Äcker der Gemarkung pachten. Jetzt lohnte sich die Arbeit der fleißigen Bevölkerung und seit dieser Zeit entwickelten sich Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. Der Zuwachs ehemaliger Untertanen drückte das gestiegene Lebensniveau der Bürger aus.

 

Die Bevölkerung hatte sich von 612 Personen um 1800 bis 1905 auf 1.205 Einwohner erhöht. Die Gründung der Dampfmühle mit -sägewerk 1869, der Spar- und Darlehenskasse 1863, des zweiten Sägewerkes 1883, der Molkereigenossenschaft 1897/98 und die zunehmende Land- und Waldwirtschaft mit der Holzverarbeitung bewirkten das Anwachsen von Bürger- und Arbeiterschaft. Ein städtisches Gaswerk kam 1909 hinzu. Mit der Steigerung der Produktion in der Land- und Forstwirtschaft erarbeiteten sich die Leute mehr Mittel, die sie zur Verbesserung der Bausubstanz, ihrer kleinen Betriebe und zur Hebung ihres Lebensniveaus einsetzen. Damit waren auch Möglichkeiten der Entfaltung der Handwerker, Händler und Gewerbetreibenden und der weiteren Entwicklung des städtischen Lebens, zu dem auch die Apotheke, Ärzte, Hebammen, Zahnärzte gehörten, gegeben. Durch tüchtige Bürgermeister gefördert, wuchs das kleinstädtische Gemeinwesen zum wirtschaftlichen Zentrum für die Umgebung heran. Die Landbevölkerung verkaufte hier ihre Produkte und besuchte die 5 Vieh- und Jahrmärkte. Dies war häufig mit Erledigungen u.a. beim hiesigen Amtsgericht und Grundbuchamt, beim Rentenamt und bei den Krankenkassen verbunden. Leben und Geschäftigkeit unterstrichen zunehmend den Mittelpunktcharakter von Märkisch Buchholz als Stadt. Anfang des 19. JH. war die hiesige Postexpedition Knotenpunkt des Postkutschverkehrs auf den Linien Berlin - Mittenwalde - Buchholz - Lübben - Prag und Fürstenwalde - Storkow - Buchholz - Königs Wusterhausen. Im 20. Jh. besorgte das Reichspostamt mit Autobussen den Personen-, Brief- und Paketverkehr bis Alt Schadow, Kehrigk und Groß Wasserburg. Die Leute des Umfeldes und der Stadt nutzten hier bis zum 2. Weltkrieg Einkaufmöglichkeiten bei diversen Fleischern, Bäckern, Schneidern, Schuhgeschäften, Sattlern, Schreib- und Tabakwaren-, sowie Textil- und Kurzwarenläden u.a.m. Kleine Landwarenhäuser deckten den haus- und landwirtschaftlichen Bedarf von Toilettenartikeln über Lebensmittel, Südfrüchte, Getränke aller Art, Porzellan und Glas bis zu Eisenwaren, Farben, Düngemittel, Werkzeuge, Kohlen und Baustoffe.

 

Seit der Jahrhundertwende spielte zunehmend der Tourismus und der Wassersportverkehr eine Rolle in der reizvollen Umgebung Köthens und Märkisch Buchholz. 8 Restaurants und Hotels boten den Sommerfrischlern, Wassersportlern und Durchreisenden einen angenehmen Aufenthalt. Fünf Ölgesellschaften installierten hier Tankstellen. Ein reges Vereinsleben bot den Bürgern und den Besuchern sportliche und kulturelle Betätigung und stärkte das Image unserer kleinen Stadt an der Dahme und nahe den Köthener Heideseen.

 

Der 2. Weltkrieg machte der gedeihlichen Entwicklung ein jähes Ende. Das Ergebnis zielstrebigen Schaffens aus 700 Jahren war in 7 Tagen zu 70% vernichtet. Die Stadt lag in Schutt und Asche und 13% der Bevölkerung hatten ihr Leben in diesem barbarischen Krieg verloren. Zehntausende Männer, Frauen und Kinder forderte die Kesselschlacht um Märkisch Buchholz-Halbe, derer auf der Kriegsgräberstätte in Halbe stets gedacht werden sollte. Weitere Tausende liegen noch namenlos verscharrt in unseren Wäldern und Fluren.